Konzeption

Ulmer Schachtel

 

an der Donau in Baja

in der Donaustraße

 

Die Deutsche Selbstverwaltung Baja, die Stiftung für die Ungarndeutschen im Komitat Bács-Kiskun und der Deutsche Kulturverein Batschka haben sich vorgenommen in Vereinbarung mit dem Ungarndeutschen Bildungszentrum in Baja eine Ulmer Schachtel in Originalgröße zu errichten.

Das Schiff soll einem dreifachen Zweck dienen:

1.      Es soll ein Denkmal für unsere Ahnen darstellen, die überwiegend in dem 18. Jahrhundert mit solchen Schiffen aus süd- und mitteldeutschen Gebieten nach Ungarn gewandert sind und mit ihren Fachkenntnissen und ihrem Fleiß zum Wiederaufbau des Landes nach der Türkenzeit wesentlich beigetragen haben.

Es soll der kommenden Generationen auf ihre Herkunft hinweisen, aber gleichzeitig auch die Verbundenheit mit unserer engeren Heimat der Batschka zeigen.

 

2.      Es soll eine touristische Attraktion in Baja bzw. im Komitat Bács-Kiskun sein, wo noch viele Ungarndeutsche leben, aber auch viele ausländische Gäste gerne einen Besuch abstatten. Da diese Ulmer Schachtel das einzige in Originalgröße gebaute Schiff im Land sein wird, erhoffen wir, dass es viele Interessenten nach Baja lockt.

 

3.      Unser wichtigstes Ziel ist aber, dass dieses Schiff als ein besonderer Lernort in der eigenartigen Form eines Lehrpfades für Unterrichtszwecke dienen soll. Es soll beim Geschichte- und Volkskundeunterricht den Schülern helfen die Geschichte und die Kultur der Ungarndeutschen besser zu verstehen. In der Hütte auf dem Deck des Schiffes können nämlich Schulklassen, Touristengruppen und Einzelbesucher empfangen werden, um mit ihnen gemeinsam Projekte durchführen bzw. Ausstellungen organisieren zu können.

 

Was ist eigentlich eine Ulmer Schachtel?

 

Die Ulmer Schachtel ist ein kielloses Flussschiff, das als Symbol für die Auswanderung der Donauschwaben im 18. Jahrhundert betrachtet werden kann. Ihren Namen verdankt sie einem Abgeordneten im Stuttgarter Landtag, der diese in Ulm hergestellten Donauschiffe wegen ihres  einfachen Aufbaus als Schachteln verspottete. In Ulm wurden sie übrigens „Ordenare“ genannt, das weist darauf hin, dass seit 1712 Schiffe von Ulm bis Wien „ordinari“ also „fahrplanmäßig gefahren sind.

Ihre Konstruktion war sehr zweckmäßig, da das Schiff  nur zur einmaligen Fahrt flussabwärts genutzt wurde. Am Zielort angelangt wurden die Ulmer Schachteln vielfach als Nutzholz oder zur Weiterverwendung verkauft.

Mit ihrem flachen Boden konnten sie bis unmittelbar ans Ufer fahren. Charakteristisch für diese Schiffe sind die schrägen, schwarz-weißen Streifen auf dem Schiffsrumpf, die aber nach Henning Petershagen nicht die Markenzeichen  der Stadt Ulm seien, sondern auf dem hellen Tannenholz der besseren Sichtbarkeit gedient hätten.

Typisch für ihre Bauweise war noch die so genannte „Schopperfuge“, die das Schiff gegen das eindringende Wasser abgedichtet hat. In die Fugen zwischen den Brettern der Außenwand und des Schiffbodens wurde nämlich langfaseriges Moos gestopft. Dieser Tätigkeit, die „Schoppen“ hieß, verdanken übrigens die Schiffsbauer in Ulm ihren Berufsnamen „Schopper“.

Die Größe und die Form der Ulmer Schachteln veränderten sich im Laufe der Zeit immer wieder. Sie erreichten eine Länge von 15-22 Metern und eine Breite von 3-5 Metern.  Die Bordwand  hatte eine Höhe von etwa ein Meter. In der Mitte befand sich eine größere Holzhütte, wo die Auswanderer bei Unwetter Schutz fanden. Das Schiff wurde auf seiner Reise donauabwärts mit Stangen bzw. Rudern, zwei am Bug und zwei am Heck, gesteuert.





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